SpecForge: Requirements Engineering als KI-Skill – Spezifikationen schmieden, nicht schreiben
SpecForge ist ein Claude-Skill für Spec-Driven Requirements Engineering. Er automatisiert die Erstellung von Spezifikationen, Plänen und Tasks – mit eingebauter KRITIS/NIS2-Compliance, EARS-Syntax und einer Enforcement Engine. Was das Tool kann und warum Teams davon profitieren.
Was SpecForge ist
SpecForge ist ein Open-Source Claude-Skill für Spec-Driven Requirements Engineering – entwickelt von GodModeAI2025. Das Leitprinzip: Governance ist ein Compiler, kein Komitee. Statt optionaler Richtlinien setzt SpecForge auf enforceable Regeln, die direkt im KI-Workflow erzwungen werden.
Der Skill kombiniert das GitHub Spec Kit mit Harness-Patterns (Golden Principles, Spec-First Chain, Folder Convention), EARS-Syntax, Gherkin-Akzeptanzkriterien und automatischen Compliance-Checks für KRITIS/NIS2. Heraus kommt ein modulares System aus 19 Dateien und rund 3.100 Zeilen, das sich in Claude.ai, Claude Cowork oder Claude Code integrieren lässt.
SpecForge deckt den gesamten RE-Prozess ab: Von der ersten Idee über die Spezifikation bis zum implementierungsreifen Backlog. Der Skill erkennt aus dem Kontext, welcher Modus gefragt ist, und erzeugt die passenden Artefakte.
Was SpecForge erzeugt
Der Skill produziert sechs zentrale Artefakte. Die constitution.md definiert Projektprinzipien, regulatorische Rahmen und die Definition of Done. Die spec.md enthält die funktionale Spezifikation mit EARS-konformen Requirements und Gherkin-Szenarien. Der plan.md liefert den technischen Implementierungsplan samt Architecture Decision Records (ADRs). Die research.md dokumentiert die technische Tiefenrecherche inklusive Versionen, CVEs und Kompatibilitätschecks. Die quickstart.md gibt Entwicklern einen sofort nutzbaren Einstieg. Die tasks.md bricht die Arbeit in Einzeltasks herunter, annotiert mit der Spec-First Chain.
Hinzu kommen optionale Artefakte wie die Traceability Matrix, ein Tech-Debt-Report oder Testfälle, die aus Gherkin-Szenarien abgeleitet werden.
Die zehn Golden Principles
SpecForge erzwingt zehn Golden Principles. GP-01 (Schema-Hygiene) verlangt Matching Fixtures und Testabdeckung. GP-02 (Spec-before-Code) verbietet Implementierung ohne Spezifikation. GP-03 (ADR-Disziplin) schreibt Architecture Decision Records für modulübergreifende Entscheidungen vor. GP-04 (ExecPlan-Pflicht) verlangt einen Ausführungsplan ab fünf Dateiänderungen. GP-05 (Invariant-Traceability) fordert, dass Tests Invariant-IDs referenzieren. GP-06 (Keine stale Marker) verbietet veraltete TODO/TBD/FIXME-Marker ohne Datum und Owner. GP-08 (Prinzip-Unverletzlichkeit) blockiert den Prozess, bis ein Verstoß behoben ist – Governance als Compiler, nicht als Empfehlung.
Compliance als Feature
Für regulierte Branchen ist SpecForge besonders wertvoll. Der Skill führt einen automatischen NFR-Scan gegen 41 KRITIS/NIS2-Prüfpunkte durch – bewertet mit einem sechsstufigen Schweregrad-System (F0–F5 nach PrüfbV §27). Statt binärem Pass/Fail gibt es CONDITIONAL als dritten Gate-Ausgang, der Risiko-Akzeptanz mit Dokumentationspflicht erlaubt.
Über Regulierungs-Extensions lässt sich das System erweitern. Bereits fertig: DORA (EU 2022/2554) mit 58 Prüfpunkten für den Finanzsektor. Ein BAIT-Stub für Banken liegt vor. MaRisk, PCI-DSS 4.0 und EnWG sind als offene Kandidaten markiert. Neue Extensions werden per Manifest-Auto-Detection automatisch erkannt.
Die STRIDE-Analyse prüft sicherheitsrelevante Stories auf alle sechs Bedrohungskategorien. Die EARS-Konformität stellt sicher, dass jedes Requirement in einem der fünf Patterns formuliert ist. Acht Anti-Patterns (AP-01 bis AP-08) inklusive SOPHIST-Verletzungen werden automatisch erkannt und blockiert.
Von der Idee zum Backlog
SpecForge definiert einen klaren Workflow mit acht Phasen – jede mit einem Phase Gate, das nur mit explizitem Skip-Protokoll übersprungen werden darf:
Phase 0 (Cynefin+Impact Mapping) schätzt die Komplexität und validiert den Scope. Dann folgt die Constitution, gefolgt von Specify und Clarify. In der Clarify-Phase scannt der Skill die Spezifikation nach Lücken, vagen Begriffen und unbestätigten Annahmen – priorisiert als BLOCKER, MAJOR oder MINOR. Plan+Research+Quickstart erzeugen das technische Fundament. Tasks bricht die Arbeit herunter. Analyze prüft die Konsistenz über fünf Dimensionen mit einer Re-Analyze-Loop (maximal fünf Iterationen). Den Abschluss bilden Implement und Review.
Neuere Versionen enthalten eine Stakeholder-Simulation mit acht Rollen (Product Owner, Security Reviewer, Datenschutzbeauftragter u.a.), eine Discover-Funktion für Reverse Engineering bestehender Systeme und einen Derive-Modus, der aus Gherkin-Szenarien strukturierte Testfälle mit Abdeckungsmatrix ableitet.
Warum Teams SpecForge einsetzen sollten
Der größte Nutzen liegt in der Automatisierung von Governance. Statt mühsamer manueller Reviews prüft SpecForge Spezifikationen automatisch auf Qualität, Konsistenz und Compliance. Das spart Zeit in Audits und reduziert das Risiko, dass regulatorische Anforderungen übersehen werden.
Die Cross-Artifact-Konsistenz verhindert das klassische Problem, dass Spec, Plan und Tasks auseinanderdriften. Der Story-Quality-Score (SQS) gibt eine numerische Bewertung (0–5) für jede User Story – reproduzierbar und nachvollziehbar.
Für Teams, die mit Claude arbeiten, ist SpecForge ein Bauplan für eigene Skills. Die Multi-File-Architektur mit Orchestrator und neun Fachmodulen lässt sich als Blaupause nutzen. Die standardisierten Modul-Sektionen (Profil-Steuerung, Ablauf, Output-Template, Stringenz-Regeln, Erweiterbarkeit, Fehlerbehandlung) machen den Skill wartbar und erweiterbar.
SpecForge ist kein weiteres KI-Tool, das hilfreiche Vorschläge macht. Es ist ein Governance-System, das Regeln von der Idee bis zur Implementierung durchsetzt. Der Einsatz lohnt sich besonders für Teams in regulierten Umgebungen, für Projekte mit hohen Qualitätsanforderungen – und für alle, die Spec-Driven Development ernst nehmen.
Fachbegriffe in diesem Artikel
- Spec-Driven Requirements Engineering
- Methodik, bei der Spezifikationen vor der Implementierung erstellt werden und als verbindliche Grundlage fuer Entwicklung, Tests und Compliance-Pruefungen dienen.
- Architecture Decision Record
- Kurzes Dokument, das eine architekturrelevante Entscheidung, ihren Kontext, Alternativen und die Begruendung festhaelt. Auch als ADR bekannt.
- Golden Principles
- Zehn enforceable Regeln in SpecForge, die Qualitaet und Governance im Entwicklungsprozess sicherstellen. Beispiele: Spec-before-Code, ADR-Disziplin, keine stale Marker.
- Claude Code
- Ein Coding-Agent von Anthropic, der direkt im Terminal läuft. Bietet Funktionen wie Editieren, Bash-Zugriff und Sub-Agents. Nutzt ein ausführliches System-Prompt-Template mit über 10.000 Tokens.
- Phase Gate
- Qualitaetstor in einem Entwicklungsprozess. Eine Phase darf erst abgeschlossen werden, wenn alle Kriterien des Gates erfuellt sind. In SpecForge mit Stufen G0 bis G8 und Skip-Protokoll.
- SpecForge
- Open-Source-KI-Skill fuer Claude, der Spec-Driven Requirements Engineering automatisiert. Erzeugt Spezifikationen, Implementierungsplaene und Tasks mit eingebauter Compliance-Pruefung (KRITIS/NIS2, DORA).
- Gherkin
- Domaenenspezifische Sprache fuer Akzeptanzkriterien im Given/When/Then-Format. Wird im Behavior-Driven Development verwendet, um ausfuerhbare Spezifikationen zu schreiben.
- STRIDE
- Threat-Modeling-Framework von Microsoft mit sechs Bedrohungskategorien: Spoofing, Tampering, Repudiation, Information Disclosure, Denial of Service und Elevation of Privilege.
- EARS
- Easy Approach to Requirements Syntax. Strukturierte Methode zur Formulierung von Anforderungen in fuenf standardisierten Patterns: Ubiquitous, Event-Driven, Unwanted, State-Driven und Optional.
- CVE
- Common Vulnerabilities and Exposures – ein standardisiertes System zur Identifikation und Katalogisierung bekannter Sicherheitslücken. Jede Schwachstelle erhält eine eindeutige CVE-ID und wird in öffentlichen Datenbanken geführt.
- RAG
- Retrieval-Augmented Generation – Ein Verfahren, bei dem ein LLM vor der Antwortrelevante Informationen aus einer externen Wissensdatenbank abruft, um seine Antworten zu verbessern.
- TPU
- Die Tensor Processing Unit ist ein von Google entwickelter Spezialchip für maschinelles Lernen. Er wurde ursprünglich für das Training und die Inferenz von neuronalen Netzen entworfen und war Vorläufer der LPU-Architektur von Groq.
Häufige Fragen
Was ist SpecForge?
SpecForge ist ein Open-Source Claude-Skill für Spec-Driven Requirements Engineering. Er automatisiert die Erstellung von Spezifikationen, Plänen und Tasks und prüft sie automatisch auf Compliance mit KRITIS/NIS2, EARS-Syntax und weiteren Qualitätsstandards.
Welche Compliance-Standards prüft SpecForge?
SpecForge prüft automatisch gegen 41 KRITIS/NIS2-Prüfpunkte mit einem sechsstufigen Schweregrad-System. Über Erweiterungen sind DORA (58 Prüfpunkte) und BAIT verfügbar, weitere wie MaRisk und PCI-DSS sind in Planung.
Wie unterscheidet sich SpecForge von anderen RE-Tools?
SpecForge setzt auf enforceable Regeln statt optionaler Richtlinien. Governance wird als Compiler implementiert, nicht als Komitee – Verstöße blockieren den Prozess, bis sie behoben sind.
In welchen Claude-Umgebungen läuft SpecForge?
SpecForge läuft in Claude.ai als Projekt-Knowledge, in Claude Cowork als Plugin/Skill und in Claude Code als Projekt-Kontext. Die Installation erfolgt durch Kopieren des Skill-Ordners.